Behind the Thesis: Blaualgen in Bade- und Trinkwasser – Toxine schneller nachweisen 

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Höhere Temperaturen sorgen dafür, dass Blaualgenblüten in Badegewässern weltweit häufiger auftreten. Das darin enthaltene Toxin Microcystin-LR kann schwere Leberschäden verursachen und bei höheren Dosierungen sogar tödlich sein. Gleichzeitig wächst die Sorge, dass das Toxin in unser Trinkwasser gelangen könnte. Seit Anfang des Jahres gibt es deshalb erstmals einen Grenzwert in der Trinkwasserverordnung. Der Nachweis des Toxins erfordert bislang aufwendige Laboranalysen. Entsprechend groß ist das Interesse an einem Testverfahren, der eine schnelle und empfindliche Detektion ermöglicht.

Vincent, der an der HTWG Konstanz den Masterstudiengang Umwelt- und Verfahrenstechnik absolvierte, forschte während seiner Masterarbeit am fem Forschungsinstitut genau daran. Gemeinsam mit seinem Betreuer Dr. Birger Freisinger entwickelte er einen neuen Ansatz auf Basis von Edelmetallnanopartikeln, um das Blaualgentoxin einfacher und schneller nachzuweisen.

Das Prinzip des Schnelltests: Ein einfacher Farbwechsel 
Der Nachweis basiert auf einem einfachen Farbwechsel. Goldnanopartikel erscheinen in einer stabilen Lösung rot. Verklumpen sie durch Salze im Wasser, verändert sich ihre Farbe zu Blau-Grau. Damit das nicht geschieht, werden die Partikel mit speziellen DNA-Bausteinen, sogenannten Aptameren, umhüllt. Sie stabilisieren die Goldnanopartikel, sodass die Lösung rot bleibt.
Befindet sich jedoch Microcystin-LR in der Probe, binden sich die Aptamere an das Toxin und lösen sich von den Goldpartikeln. Diese verlieren dadurch ihren Schutz, verklumpen und die Lösung verfärbt sich von Rot nach Blau-Grau. Dieser Farbwechsel bildet die Grundlage des Schnelltests. 

Soweit die Theorie: Doch funktioniert das auch in der Praxis?
Anfangs funktionierte das Verfahren nur bei vergleichsweise hohen Toxinkonzentrationen. Der Grenzwert für Trinkwasser liegt jedoch um Größenordnungen darunter. Vincent passte deshalb Salz- und Aptamerkonzentrationen sowie weitere Versuchsparameter gezielt an. Dadurch gelang es ihm, die Empfindlichkeit des Systems deutlich zu steigern. Am Ende konnte Microcystin-LR sogar unterhalb des Grenzwerts der Trinkwasserverordnung mit einem UV/VIS-Spektrometer nachgewiesen werden. Mit bloßem Auge ist dieser Nachweis zwar noch nicht möglich, doch das Verfahren zeigt das Potenzial des Ansatzes. Da sich die Aptamere gezielt an andere Zielstoffe anpassen lassen, könnte das System künftig auch zum Nachweis weiterer Toxine oder Krankheitserreger eingesetzt werden.

Diese Masterarbeit ist praktisch der Prototyp einer erfolgreichen Forschungsarbeit. Aus einer zunächst eher theoretischen Idee wurde durch gezielt geplante Versuche, eine sorgfältige Auswertung und die konkrete Einordnung der Ergebnisse Schritt für Schritt ein funktionierender analytischer Ansatz entwickelt“, fasst Dr. Freisinger zusammen.

Für ihn liegt der Erfolg der Arbeit vor allem im Forschungsprozess und in Vincents strukturierter Arbeitsweise. „Gute Forschung bedeutet auch, unerwartete Ergebnisse kritisch zu hinterfragen, daraus neue Schlüsse zu ziehen und diese wiederum experimentell zu überprüfen. Vincent hat seine Versuche gezielt vorbereitet, Prioritäten richtig gesetzt und sich auf die Experimente konzentriert, die die Arbeit wirklich vorangebracht haben. Für den Verlauf war das ein großer Gewinn“, lobt Dr.  Freisinger seinen Masteranden.

Besonders in Erinnerung geblieben ist Vincent dabei die Freiheit, eigene Ideen konsequent verfolgen zu können. „Ich konnte meine Masterarbeit komplett selbst planen und Vermutungen mit Experimenten überprüfen. Dieses Vertrauen und die Selbstständigkeit kannte ich aus der Industrie nicht und habe ich am fem sehr geschätzt.

Gleichzeitig lernte er, wissenschaftliche Ergebnisse kritisch zu hinterfragen. „Mich hat überrascht, dass es bereits sehr viele Untersuchungen zu dem Thema gibt, sich viele veröffentlichte Ergebnisse aber nicht bestätigen ließen. Es war spannend zu sehen, welche Ansätze tatsächlich funktionieren und welche eigenen Vermutungen sich bestätigt haben – oder eben nicht.“

Manche Erkenntnisse wurden erst sichtbar, als Vincent seine Messdaten Tage später noch einmal mit frischem Blick auswertete. Wie entscheidend dieser zweite Blick sein kann, zeigte sich auch bei der Entwicklung des Schnelltests. Erst die Analyse des gesamten Spektrenverlaufs statt nur der Intensitätsmaxima der UV/VIS-Spektren ermöglichte eine deutlich zuverlässigere Unterscheidung verschiedener Microcystin-Konzentrationen und verbesserte die Nachweisgrenze erheblich. „Das ist der entscheidende Schritt, um aus dem Verfahren perspektivisch ein anwendungsnahes analytisches System, etwa in Form eines Schnelltests, zu entwickeln“, sagt Dr. Birger Freisinger. So wurde aus einer theoretischen Idee Schritt für Schritt ein empfindliches Nachweisverfahren, das künftig den Weg zu einem praxistauglichen Schnelltest ebnen könnte.

Für Vincent endet mit der erfolgreich abgeschlossenen Masterarbeit ein intensiver Forschungsabschnitt. Seit April 2026 arbeitet er als Ingenieur für Versorgungstechnik beim Amt für Vermögen und Bau in Schwäbisch Gmünd.

Inverted Fireball: Der Plasmaverstärker – bei richtiger Parameterwahl 

Der Inverted Fireball (IFB) kann Magnetron-Sputterprozesse gezielt unterstützen: Er erhöht lokal die Plasmadichte und den Anteil aktiver Spezies. In ersten Versuchen 2024 mit Titan führte das zu dichteren und härteren Schichten. Das macht den IFB damit für PVD-Anwendungen technologisch interessant.
 
Entscheidend ist allerdings die richtige Prozessführung, wie jüngste Versuche am fem Forschungsinstitut zeigen. Die Wahl des Gitters und die Position der Hashtag#Gitteranode sind wesentliche Parameter dafür, ob und wie sich der Inverted Fireball ausbildet.
 
Auch andere Prozessparameter wie Anodenspannung, Gasdruck, Anzahl der Sputterquellen und Substratbias beeinflussen die Zündung, die Form und die Stabilität des Plasmas. Sind die Zündbedingungen richtig gewählt, zeigt sich ein charakteristischer Übergang beim Anodenstrom, wenn die Anodenspannungen einen bestimmten Wert übersteigt.
 
Genau dieses Prozessverständnis ist entscheidend für den nächsten Schritt: Einen Inverted Fireball zu zünden ist das eine. Zu verstehen, unter welchen Bedingungen er reproduzierbar entsteht und stabil bleibt, macht aus dem Plasmaeffekt erst ein technologisch nutzbares Werkzeug.
 
Warum ist der Inverted Fireball industriell interessant?
Bessere Schichteigenschaften lassen sich auch mit HiPIMS (High-Power Impulse Magnetron Sputtering) erzielen. Dieses Verfahren ist jedoch technisch aufwendiger und kann mit geringeren Beschichtungsraten einhergehen. Der Inverted Fireball könnte hier einen einfacheren Ansatz bieten, indem er als Ergänzung zum industriell etablierten Magnetron-Sputtern dient und so eine stärkere Plasmaaktivierung ermöglicht, ohne das Verfahren grundlegend zu verändern.
 
Auf dem Bild: IFB-Gitter direkt vor der Sputterkathode.

fem forschungsinstitut IFB Gitter direkt vor der Sputterkathode
fem forschungsinstitut inverted fireball pvd anwendungen

Behind the Thesis: Wenn Mensch und Software unterschiedlich urteilen – Lösungen für verlässliche, digitale Korrosionsauswertung 

labor bildschirm kopie

Digitale Auswertung wird in der Korrosions- und Lackprüfung zunehmend genutzt. Doch wie leistungsfähig und belastbar sind die Ergebnisse digitaler Auswerteverfahren?

Lena von der Hochschule Esslingen ging dieser Frage im Rahmen ihrer Bachelorarbeit am fem Forschungsinstitut nach. Im Zentrum stand die Anwendung einer digitale Auswerteeinheit auf Proben aus der Filiformkorrosionsprüfung und dem essigsauren Salzsprühnebeltest.

Probenseitige Faktoren, wie Oberflächenbeschaffenheit und Beschichtung, die sich auf die Qualität der Auswertung auswirken, wurden zusammen mit der Software betrachtet“, fasst Lena ihren Forschungsschwerpunkt zusammen.

Die interdisziplinäre Arbeit an der Schnittstelle von Softwareentwicklung und Prüfaufgaben in der Oberflächentechnik machte unterschiedliche Sichtweisen und Herausforderungen sichtbar. Erst durch Einblicke in beide Bereiche ließen sich diese zusammenführen und gezielte Verbesserungen in der digitalen Auswertung erzielen.

Besonders deutlich zeigte sich das bei der Bewertung von Filiformkorrosion. „So konnte beispielsweise eine signifikante Diskrepanz zwischen manueller und digitaler Auswertung bei der Messung der Fadenlänge der Filiformkorrosion behoben werden“, beschreibt Betreuerin Dr. Katrin Forster-Tonigold den entscheidenden Fortschritt.

Die Ergebnisse zeichnen ein klares Bild: Digitale Auswertung liefert belastbare Resultate, wenn die Randbedingungen verstanden und berücksichtigt werden. Systematische Analyse und iterative Rückkopplung ermöglichten konkrete Weiterentwicklungen der Software.

Auch für anspruchsvolle Proben wurden Lösungen erarbeitet. Proben, die sich aufgrund ungeeigneter Oberflächen zunächst nicht digital auswerten ließen, konnten durch angepasste Softwareoptionen und gezieltes Entlacken in die Analyse integriert werden.

Der Weg dorthin verlief nicht geradlinig. „Der Zeitaufwand für einzelne Bestandteile der Arbeit fiel deutlich höher aus als ursprünglich eingeplant“, so Lena. Die detaillierte Probenauswertung verlangte Ausdauer und Präzision – Stärken, die sie laut Dr. Forster-Tonigold konsequent eingebracht hat.

Die Arbeit zeigt, wo digitale Verfahren heute stehen – und was es braucht, um sie verlässlich in der Praxis einzusetzen: ein genaues Verständnis der Randbedingungen, iterative Entwicklung und den Blick über Disziplingrenzen hinweg.

Behind the Thesis: Transparente Ökobilanzierung von Kupfer-Zinn-Halbzeuge  

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Wie kann die Ökobilanzierung konkrete Entscheidungen in der Fertigung unterstützen? In Uditkumar’s Masterarbeit am fem Forschungsinstitut ging es um die Entwicklung einer standardisierten Lebenszyklusanalyse (LCA) für Kupfer-Zinn-Halbzeuge auf Basis realer Prozessdaten aus einer Produktionsanlage im Labormaßstab.

Das Ziel bestand darin, einen transparenten und konsistenten Ansatz zur Bewertung der Umweltauswirkungen bei der Herstellung von Kupferprodukten zu entwickeln. Das Modell wurde in openLCA auf Grundlage primärer experimenteller Daten und relevanter Hintergrunddatensätze erstellt. Abgebildet wird die Prozesskette vom Legieren über das Stranggießen bis zum Warmwalzen.

Bei der Umweltbewertung geht es nicht nur um die Berechnung von Emissionen. Es geht darum, das gesamte Produktionssystem zu verstehen – Materialflüsse, Prozesse und die Auswirkungen methodischer Entscheidungen“, sagt Uditkumar.

Jeder Datensatz, jeder Modellschritt zwingt zur Auseinandersetzung: Was passiert hier wirklich? Und wie lässt sich das so abbilden, dass es belastbar ist?

Genau dorthin floss die meiste Arbeit: ins präzise Hinsehen, ins Hinterfragen, ins saubere Strukturieren. So entstand aus Einzelinformationen ein Gesamtbild und aus Annahmen belastbare Aussagen.

Ein gutes technisches Modell sollte nicht nur korrekt, sondern auch transparent und leicht verständlich sein. Dies gilt insbesondere für die Nachhaltigkeitsarbeit, in der Klarheit und Glaubwürdigkeit von großer Bedeutung sind”, sagt Uditkumar – und formuliert damit zugleich die wichtigste Lektion, die ihn in seinem weiteren Berufsweg begleiten wird.

Uditkumar bringt genau diese Perspektive ins Modell: analytisch stark, konsequent strukturiert, mit einem hohen Anspruch an Transparenz. Und genau hier liegt die eigentliche Stärke der Arbeit. Sie macht sichtbar, wo Umweltwirkungen entstehen und wie man sie greifbar macht, ohne sie zu vereinfachen.

Die Umweltauswirkungen werden stark durch die vorgelagerten Prozesse dominiert“, erklärt Betreuer Frank König„Der Mehrwert und zentrale Erkenntnisgewinn liegen in der detaillierten, standardisierten Modellierung der nachgelagerten Schritte – insbesondere dann, wenn Recyclingrouten künftig stärker in den Fokus rücken.“

Uditkumar, der seinen Master in Environmental Sustainability an der Technischen Hochschule Bingen abschließen wird, möchte anschließend in die Praxis, idealerweise in die Umweltverträglichkeitsprüfung. Dorthin, wo technische Analysen auf industrielle Anwendung treffen.

fem Forschungsinstitut goes Battery Show Europe 2026

Where Do Your Battery Technology Challenges Begin? 🪫

• Selecting the right materials?
• Understanding aging and degradation mechanisms?
• Securing access to critical raw materials?
• Managing quality variations?
• Accelerating the transfer of R&D into industrial processes?

At fem Research Institute, we work with you to tackle these challenges head-on.

Whether as an innovation partner, technology transfer expert, or problem solver, this is exactly why we are attending The Battery Show Europe 2026: to engage in meaningful discussions about challenges, opportunities, limitations, and practical solutions.

If you work in battery technologies, energy storage, materials, components, manufacturing, or the circular economy, we invite you to stop by. Let’s exchange ideas, challenge assumptions, and shape the future together.

Meet our experts:
Dr. Şeniz Sörgel, Prisca Hug, Dr. Reinhard Böck, Maximilian Braun, and Dr. Martin Opitz.

At the fare, we will be presenting our latest work in:

🔋 Sodium-ion batteries and post-lithium technologies
🔋 Redox flow batteries for stationary energy storage
🔋 Advanced materials and coatings for high-performance electrodes
🔋 Battery characterization and failure analysis
🔋 Recycling and circular approaches for battery materials
🔋 Aging, safety, and performance assessment
🔋 Scalable manufacturing processes for industrial applications

Visit us at the joint booth of e-mobil BW GmbH and Cluster Elektromobilität Süd-West.

📅 June 9–11, 2026
📍 Messe Stuttgart | Hall 1 | Booth A26

fem Forschungsinstitut goes Battery Show Europe 2026

fem Forschungsinstitut auf dem The Jewelry Symposium 2026 in Detroit

At The Jewelry Symposium, craftsmanship meets visionary material innovation.

On one of the most prestigious international platforms for materials, design, and technology in the jewelry industry, Florian Bulling presented a groundbreaking development in modern materials science for jewelry designed to endure for generations. Together with a team led by Lisa-Yvonn Schmitt, he is advancing the development of platinum-based Bulk Metallic Glasses (BMGs).

This remarkable class of materials is opening an entirely new chapter in jewelry design.

Based on platinum, these alloys challenge the conventions of traditional metallurgy. What once required extremely rapid cooling in metallic molds can now, thanks to newly developed alloy compositions, also be achieved through investment casting: the formation of an amorphous, non-crystalline structure.

The result is a material that combines the strength of steel, the elasticity of polymers, and a surface highly resistant to scratches, corrosion, and the effects of time.

For the world of fine jewelry, this represents far more than a technical innovation—it unlocks a new level of creative freedom.

A new design language emerges: fluid, precise, and uncompromisingly modern. Delicate structures, intricate geometries, and exceptional durability converge in an aesthetic that was previously beyond reach.

Through precision investment casting, these “glassy metals” can be transformed into highly intricate jewelry pieces with outstanding dimensional accuracy and surface quality. Key manufacturing challenges—including crystallization, oxidation, and shrinkage—are carefully controlled through advanced process engineering, ensuring exceptional results without compromising quality or finish.

A vision that resonated strongly with the international audience and sparked lively discussions throughout the symposium.

Many thanks to the organizers and to Jessa Cast for an inspiring and successful event.

Speaker Announcement Casting the Future: Metallic Glass Jewelry & Accessories © fem Forschungsinstitut
Florian Bulling, Abteilungsleiter Metallkunde am fem Forschungsinstitut, auf dem The Jewelry Symposium in Detroit.

fem Forschungsinstitut auf der Landesgartenschau 2026 in Ellwangen

Flora, Fauna – Forschung!
Das fem auf der Landesgartenschau 2026 in Ellwangen.

Auf der Aktionsfläche im Pavillon des Ostalbkreises dreht sich vom 18. bis 22. Mai 2026 alles um die Themen des fem Research Institutes: Innovative Werkstoffe, Edelmetalle, Beschichtungstechniken und Technologietransfer.

Wie gewinnt man aus Kohlendioxid wertvolle Rohstoffe und aus Wasser Energie? Wie helfen Fassaden aus Aluminium dabei, die Luft in Städten zu reinigen? Und wie sieht die von Digitalisierung und Robotik geprägte Industrieforschung der Zukunft aus?

Besuchen Sie uns und freuen Sie sich auf spannende Erkenntnisse und Problemlösungen aus der angewandten Forschung!

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Praxissemester am fem: „Oft liegt die Lösung näher, als man denkt.“  

Praxissemester am fem © fem Forschungsinstitut

Ein Praxissemester am fem Forschungsinstitut bedeutet: anpacken, mitdenken, gestalten – auch in Eigenverantwortung, aber immer mit einem Team im Rücken. Vor allem bedeutet es, an spannenden Forschungsthemen mitzuwirken und eigene Ideen einzubringen.

In der Abteilung Elektrochemie am fem absolvierte Florian, Bachelorstudent im Studiengang Oberflächentechnologie / Neue Materialien an der Hochschule Aalen, sein Praxissemester. Zusammen mit seiner Betreuerin Dr. Ann-Kathrin Egetenmeyer gibt er Einblicke in seine Zeit im Labor und die Arbeit im Forschungsprojekt. 

Drei Fragen an Florian:

Woran hast Du im Praxissemester gearbeitet? 

Ich habe im Projekt AgC-Switch gearbeitet. Ziel war die Entwicklung eines cyanidfreien Silberelektrolyten mit einem On-Off-System zur gezielten Dispersionsabscheidung von Graphitpartikeln. Dadurch entstehen selbstschmierende Silber-Graphit-Schichten, die den Verschleiß elektrischer Kontakte deutlich reduzieren.
Der funktionale Kern liegt in der reversiblen Prozesssteuerung: Im Off-Zustand werden die Partikel durch Sedimentation und Filtration aus dem Kreislauf entfernt, im On-Zustand gezielt wieder zugeführt. Methodisch basiert die Arbeit auf experimentellen Untersuchungen, gestützt auf aktuelle Fachliteratur zu Silberdispersionsschichten.

Was hat Dich fachlich am meisten überrascht?

Wie stark kleine Änderungen der Parameter das Ergebnis beeinflussen. Schon minimale Anpassungen im Abscheidungssystem können große Unterschiede bewirken. Das hat mir nochmal deutlich gemacht, wie sensibel solche Prozesse sind.

Welchen Rat nimmst Du für Deine weitere Laufbahn mit?

Fragestellungen immer vom Fundament her zu betrachten. Nicht direkt in komplexe Annahmen einsteigen und sich darin verlieren. Oft liegt die Lösung näher, als man denkt, wird aber durch zu kompliziertes Denken übersehen.

Drei Fragen an Dr. Ann-Kathrin Egetenmeyer

Was war für Sie der spannendste Moment in der Betreuung?

Zu sehen, wie selbstverständlich Florian praktische Laborarbeit mit fundiertem fachlichem Verständnis verbindet. Er hat Ergebnisse nicht nur sauber erarbeitet, sondern daraus eigenständig die nächsten sinnvollen Schritte abgeleitet. Genau dieser Übergang vom reinen Durchführen zum selbstständigen Mitdenken, finde ich großartig.

Welche Stärken sind Ihnen besonders aufgefallen?

Seine hohe Selbstständigkeit, Sicherheit im Labor und die professionelle Kommunikation. Man merkt, dass er bereits viel praktische Erfahrung mitbringt. Besonders bemerkenswert war auch, wie positiv und wertschätzend unsere Projektpartner ihn wahrgenommen haben. Dass es ihnen wichtig war, sich am Ende noch einmal persönlich mit ihm auszutauschen und zu verabschieden, sagt viel aus.

Was bleibt Ihnen aus der Zusammenarbeit besonders in Erinnerung?

Wie selbstverständlich Florian Verantwortung übernommen hat – sowohl fachlich als auch im Umgang mit Projektpartnern. Hier ist der „Switch“ von Forschung und Praxis gut geglückt.

Du möchtest dein Praxissemester am fem absolvieren?
Am fem gestaltest Du Forschung aktiv mit! Du übernimmst Verantwortung, arbeitest an zukunftsrelevanten Projekten und wirst Teil eines Teams, das dich fachlich weiterbringt. Bewerbe Dich hier: https://fem-online.de/karriere/ 

fem Forschungsinstitut auf der ICMCTF 2026

Dr. Martin Fenker sendet Grüße aus San Diego von der ICMCTF 2026 – einer der weltweit führenden Konferenzen für Dünnschichttechnologien und Surface Engineering.

Unter dem Leitthema „Surface Engineering: Shaping Future Materials“ traf sich die internationale Fachcommunity, um aktuelle Entwicklungen in Beschichtungstechnologien und Materialsystemen zu diskutieren.

In der Session „PVD Coatings and Technologies II“ hielt Dr. Fenker einen Vortrag zum Thema „From anode-assisted magnetron sputtering to newer developments such as inverted fireball-assisted magnetron sputtering“. Sein Beitrag befeuerte einen regen Austausch, in dessen Zentrum das große Interesse am Inverted-Fireball-Ansatz stand.

Ein Interesse, das wir – völlig unvoreingenommen 😉 – für absolut berechtigt halten. So stellt der Ansatz einen vielversprechenden und innovativen Impuls für zukünftige Beschichtungsprozesse dar und demonstriert eindrucksvoll die Dynamik, die derzeit in der Oberflächentechnik zu beobachten ist.

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Materialentwicklung unter Innovationsdruck: Kombinatorische PVD beschleunigt Dünnschichtentwicklung um den Faktor 10 bis 100  

Schwäbisch Gmünd, 27. April 2026 – Die Entwicklung neuer Beschichtungen ist für viele Unternehmen ein kritischer und risikoreicher Prozess. Denn sie entstehen noch immer in aufwändigen Einzelschritten mit hohem Zeit-, Material- und Kostenaufwand und ohne Garantie auf ein optimales Ergebnis. Gleichzeitig müssen unter immer kürzeren Innovationszyklen leistungsfähigere und nachhaltigere Dünnschichten immer schneller verfügbar sein. Am fem Forschungsinstitut wurde daher das kombinatorische PVD-Verfahren zur Entwicklung neuer Dünnschichten methodisch ausgebaut, das eine systematische und deutlich effizientere Materialentwicklung ermöglicht.

„Wir überführen die Schichtentwicklung von einem aufwändigen Trial-and-Error-Prinzip in ein systematisches Screening. Damit lassen sich komplexe Materialsysteme in einem Bruchteil der bisherigen Zeit untersuchen“, erklärt Dr. Martin Fenker, Abteilungsleiter Plasma-Oberflächentechnik am fem Forschungsinstitut.

Kern ist das sogenannte Combinatorial Magnetron Sputtering (CMS), bei dem mehrere Magnetron-Sputterquellen gleichzeitig betrieben werden. Durch die gezielte Anordnung der Quellen entstehen definierte laterale Zusammensetzungsgradienten auf einem Substrat.

Dieses Prinzip verwandelt eine einzelne Probe in eine Materialbibliothek: Statt isolierter Einzelversuche entstehen in einem einzigen Prozesslauf eine hohe Anzahl anunterschiedlichen Materialvarianten, die systematisch analysiert werden können. Eigenschaften wie Härte, Korrosionsverhalten oder optische Parameter lassen sich entlang dieser Gradienten direkt der jeweiligen Zusammensetzung zuordnen.

Im Unterschied zur klassischen Entwicklung, die auf iterativer Annäherung basiert, ermöglicht der Ansatz eine gezielte und strukturierte Durchmusterung von Materialsystemen. Der experimentelle Aufwand bzgl. der Schichtabscheidungen reduziert sich mindestens um den Faktor 10 bis 100, während gleichzeitig belastbare Zusammenhänge zwischen Zusammensetzung, Phasenbildung und Funktionseigenschaften entstehen.

Die ortsaufgelöste Charakterisierung – etwa über CIE-Lab-Farbmessungen, instrumentierte Härteprüfungen oder Korrosionstests – erzeugt dabei strukturierte Datensätze. Diese bilden die Grundlage für eine datengetriebene Materialentwicklung und den Einsatz von Methoden der Materialinformatik und Künstlichen Intelligenz.

Die Leistungsfähigkeit des Verfahrens wurde in mehreren Projekten demonstriert. Im EU-Projekt „Coloured Gold“ konnten durch kombinatorisches Co-Sputtern gezielt unterschiedliche Farbzustände in metallischen Schichten erzeugt werden. Entwicklungszyklen für die Schichtabscheidungen verkürzten sich dabei von vielen Jahren auf wenige Monate.

Im IGF-Projekt „RefMagS“ wurde die Methode auf komplexe Metallnitridsysteme übertragen. Hier zeigte sich, dass sich mechanische und chemische Eigenschaften gezielt über den Magnesiumgehalt einstellen lassen. Gleichzeitig konnten systematische Zusammenhänge zwischen Zusammensetzung, Mikrostruktur und Performance identifiziert werden.

Für die industrielle Praxis bedeutet das einen klaren Wettbewerbsvorteil: Unternehmen können Materialsysteme schneller bewerten, Entwicklungsrisiken reduzieren und ihre Time-to-Market signifikant verkürzen.

Ein einziger Beschichtungslauf ersetzt zahlreiche Einzelversuche. Das reduziert Kosten deutlich und erhöht gleichzeitig die Trefferquote bei der Entwicklung neuer Schichtsysteme“, so Fenker.

Gerade für kleine und mittlere Unternehmen ist dieser Ansatz besonders relevant. Ohne eine umfangreiche eigene F&E-Infrastruktur können sie die kombinatorische Schichtentwicklung als vorgelagerte Screening-Plattform nutzen, um geeignete Materiallösungen zu identifizieren, bevor diese in serienrelevante Prozesse überführt werden. Größere Fehlinvestitionen können so vermieden werden.

Der kombinatorische Ansatz ist flexibel skalierbar und auf zahlreiche Anwendungen übertragbar – von verschleiß- und korrosionsbeständigen Schutzschichten über dekorative Oberflächen bis hin zu optischen und funktionalen Beschichtungen sowie Anwendungen in der Energie- und Medizintechnik. Für mittelständische Unternehmen eröffnet der Ansatz damit einen deutlich effizienteren Zugang zu neuen Materialien und verkürzt den Weg von der Idee zur industriellen Anwendung erheblich.

Herstellung einer Gradientenschicht aus Platin (Pt) und Yttrium (Y). © fem Forschungsinstitut

Herstellung einer Gradientenschicht aus Platin (Pt) und Yttrium (Y), um den gesamten Legierungsbereich auf einer Probe abzubilden und deren katalytische Eignung für Brennstoffzellen zu untersuchen. Copyright: fem Forschungsinstitut.