16.07.2014

Tag der offenen Tür am fem

 

Sie wollten immer schon einmal wissen, woran die Wissenschaftlerinnen, Ingenieure und Laboranten am fem, dem Forschungsinstitut Edelmetalle + Metallchemie in Schwäbisch Gmünd jeden Tag forschen und arbeiten?

Am Samstag, den 26. Juli 2014 haben Sie von 10 bis 15 Uhr Gelegenheit dazu: Werfen Sie einen Blick in die Laboratorien, lernen Sie aktuelle Projekte und Forschungsschwerpunkte rund um den Werkstoff Metall kennen, lassen Sie sich von der Ausstattung auf dem neuesten Stand der Technik begeistern und diskutieren Sie Ihre Fragen im persönlichen Gespräch mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Instituts. Besuchen Sie auch unsere neue, von der aktuellen Landesgartenschau inspirierte Sonderausstellung, die unter dem Motto »Historisch gewachsen. Mit Sorgfalt kultiviert« ausgewählte Themen und Exponate für Groß und Klein präsentiert.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

 
25.04.2014

Virtuelle Archäologie auf Arabisch

SciTech – Our World Tomorrow heißt die Sendung für Wissenschaft und Technik, die im Auftrag des Auswärtigen Amtes im Rahmen der interkulturellen Kooperation seit 2011 für ein junges Publikum in Ägypten und im Oman produziert wird. In der aktuellen Folge ist SciTech zu Gast am Forschungsinstitut Edelmetalle + Metallchemie und berichtet über die faszinierenden Möglichkeiten der Virtuellen Archäologie. Im Mittelpunkt steht die zerstörungsfreie Analyse von archäologischen Funden, die im 3D-Röntgen-Computertomographen des Forschungsinstituts durchleuchtet werden. Nicole Ebinger-Rist vom Landesamt für Denkmalpflege, Institutsleiter Dr. Andreas Zielonka und Sabine Klingelstein erläutern die Zusammenarbeit zwischen Landesamt und fem und informieren über die Technik der Computertomographie. 

Die Sendung ist auf youtube abrufbar, mehr über SciTech finden Sie hier.

 
05.04.2014

Von der politischen Vision zur technischen Wirklichkeit

Landtagsabgeordnete Andrea Lindlohr und Petra Häffner zu Gast am fem

Schwäbisch Gmünd. Man gewöhne sich daran, als Experte für die unscheinbaren Details immer ein wenig im Hintergrund zu stehen, versicherte Institutsleiter Dr. Andreas Zielonka augenzwinkernd seinen beiden Gästen am fem, den Landtagsabgeordneten Andrea Lindlohr und Petra Häffner von Bündnis 90/Die Grünen. Man stelle eben selbst keine Lifestyle-Produkte her, sondern arbeite hinter den glitzernden Kulissen der großen Marken an Materialien, Oberflächen und Verfahren, ohne die ein technisches Produkt nicht funktioniere. „Um ein Beispiel zu wählen, das auch der grünen Politik am Herzen liegt: Das eine ist die Vision, bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf die Straße zu setzen, das andere sind ganz handfeste technische Herausforderungen, in diesem Fall vor allem die bislang unzureichende Leistung und Kapazität von Batteriesystemen. Und daran arbeiten auch wir hier am Forschungsinstitut in Schwäbisch Gmünd.“ Für Andrea Lindlohr, stellvertretende Vorsitzende und wirtschaftspolitische Sprecherin der grünen Landtagsfraktion, war in diesem Zusammenhang das Stichwort Technologietransfer entscheidend. Zielonka konnte dies nur unterstreichen, denn das fem verstehe sich seit seiner Gründung 1922 als Bindeglied zwischen Forschung und Wirtschaft, insbesondere als Forschungs- und Dienstleistungspartner für klein- und mittelständische Unternehmen. Man betreibe zwar auch Grundlagenforschung, aber nicht als Selbstzweck, sondern weil man ohne Kenntnisse der physikalischen und chemischen Grundlagen heute nicht mehr in der Lage sei, echte Innovationen für die industrielle Praxis zu schaffen.

„Und selbstverständlich sehen wir uns auch als wichtigen Gesprächspartner der Politik, denn wir alle wissen, dass sich etwa die energie- und klimapolitischen Ziele nur gemeinsam, in Zusammenarbeit mit Politik, Wirtschaft und anderen Forschungsinstituten erreichen lassen“, ergänzte Zielonka. Von entscheidender Bedeutung sei die „interdisziplinäre und inspirierende“ Kooperation mit Hochschulen und außeruniversitären Forschungsinstituten. Das fem ist seit einigen Jahren Teil der Innovationsallianz Baden-Württemberg (innBW), einem Zusammenschluss von zwölf unabhängigen Forschungsinstituten, die der Minister für Finanzen und Wirtschaft Dr. Nils Schmid unlängst als „herausragende und unverzichtbare Säule in der Innovationslandschaft Baden-Württembergs“ bezeichnet hat. Damit die Institute der innBW auch in Zukunft für entscheidende Impulse sorgen können, wurde im vergangenen Jahr die institutionelle Förderung des Landes von einer sogenannten Fehlbedarfs- auf eine Festbetragsfinanzierung umgestellt. Zielonka und Lindlohr stellten einhellig fest, dass dieser Systemwechsel für eine erhöhte Stabilität und Planungssicherheit sorge und den Instituten mehr Spielräume für strategische Entscheidungen eröffne. 

Bei der Führung durch das Institut fielen Petra Häffner, die seit März 2011 als Landtagsabgeordnete der Grünen den Wahlkreis Schorndorf vertritt, die zahlreichen Mitarbeiterinnen am fem auf. „Wir müssen uns heutzutage schon etwas einfallen lassen, um die besten Absolventen und Doktoranden ins Haus zu holen, ganz gleich ob Mann oder Frau“, bemerkte Zielonka. „Aber es stimmt schon, tatsächlich arbeiten mehr Frauen als Männer am Institut, da sehen wir uns durchaus als Vorreiter, denn mit knapp 25% sind Frauen unter den Absolventen der Ingenieurwissenschaften nach wir vor deutlich in der Minderheit“. Es sei ihm ein persönliches Anliegen, auch Frauen und Müttern eine wissenschaftliche Karriere zu eröffnen. Auf die Vereinbarkeit von beruflicher Laufbahn und Familienplanung, für die das Institut seit 2011 mit dem Zertifikat „audit berufundfamilie“ ausgezeichnet ist, lege er darum besonderen Wert. Die Vereinbarkeit sei ein elementarer Baustein der Unternehmenskultur und trage wesentlich zum Arbeitsklima am Forschungsinstitut bei.

 
27.03.2014

Lebensretter „Stent“ – ein Thema zwischen Materialwissenschaft und Medizin

Bis vor einigen Jahren war die Gefäßstütze namens Stent nur Experten geläufig, heute sind die röhrchenförmigen Strukturen fast jedem ein Begriff, denn jedes Jahr werden in Deutschland in Folge von Herzinfarkten und Arteriosklerose fast 300.000 Stents eingesetzt, Tendenz steigend. Die Zahl der Eingriffe hat sich seit den 1980er Jahren enorm gesteigert, berichtete Prof. Dr. Christoph Hehrlein vom Universitätsklinikum Freiburg im Rahmen des ersten Freitagsseminars 2014 am Forschungsinstitut Edelmetalle + Metallchemie.

Nach einem faktenreichen Überblick über die Geschichte des Stents konzentrierte sich der Herzspezialist in seinem Vortrag auf die Erforschung und technische Überwindung der beiden größten medizinischen Nachteile von Gefäßstützen, die Verursachung von Thrombosen und Restenosen. Der Stent ist zweifelsohne ein Lebensretter, so Hehrlein, aber er ist und bleibt ein Fremdkörper, der durch eine chronische Reizung Entzündungen verursachen und die Blutgerinnung anregen (Thrombose) oder zu einem erneuten Verschluss des Blutgefäßes (Restenose) führen kann. Ein verbessertes Design der Röhrchen mit dünneren Streben und die Weiterentwicklung der begleitenden Therapie mit blutverdünnenden Medikamenten reduzieren dieses Risiko, das erklärte Ziel aber sind Stents, die selbst Medikamente freisetzen (drug eluting stents) und sich nach einer gewissen Zeit durch Korrosion im Blut auflösen. Bei der Erforschung der sogenannten bioresorbierbaren Stents dreht sich alles um den richtigen Werkstoff, der möglichst rückstandsfrei, aber weder zu schnell, noch zu langsam abgebaut werden darf. Auch das fem forscht auf diesem Gebiet und untersucht aktuell die Entwicklung zink-basierter Legierungen für Stents und Implantate.

Das Thema der Polymerschichten beleuchtete im Anschluss Prof. Dr. Rumen Krastev vom Naturwissenschaftlichen und Medizinischen Institut (NMI) an der Universität Tübingen aus einer biologischen und materialwissenschaftlichen Perspektive. Das Problem der Verträglichkeit, so Krastev, sei das Resultat des Aufeinandertreffens zweier grundverschiedener Oberflächen: hier das biologische Gewebe, dort die zumeist metallische Gefäßstütze. Um die Bioverträglichkeit zu verbessern, würden die Oberflächen von Stents modifiziert, entweder durch eine mechanische, physikalische und chemische Behandlung oder durch eine Beschichtung. So habe eine elektropolierte, d.h. weniger raue Oberfläche ebenso wie eine wirkstofffreisetzende Polymerbeschichtung eine drastische Senkung des Risikos einer Restenose zur Folge. Die Arbeitsgruppe Biomaterialien am NMI arbeite derzeit an neuartigen, intelligenten Beschichtungssystemen, die eine feine Dosierung der Wirkstofffreisetzung ermöglicht. Der ideale Stent, das wurde in der Diskussion der beiden Referenten mit den gut 40 Gästen am fem deutlich, kombiniert die Freisetzung von Medikamenten mit der Auflösung des Stentmaterials während der Heilung des Gefäßes. Ob das in naher Zukunft gelingt, ist in Anbetracht der steigenden Zahl von Eingriffen sicherlich eine Frage, die weit über Forschung und Wissenschaft hinaus auf Interesse stößt.

(Bild: NMI)

 
14.02.2014

Trauer um Prof. Dr. Christoph J. Raub

Trauer um Prof. Dr. Christoph J. Raub. Der international anerkannte Wissenschaftler und Experte für Edelmetalle und Galvanotechnik, von 1970 bis 1995 Leiter des Forschungsinstituts Edelmetalle + Metallchemie in Schwäbisch Gmünd, ist am 11. Februar im Alter von 81 Jahren gestorben. Die Trauerfeier fand im engsten Familienkreis statt.

Christoph J. Raub wurde am 6. Juni 1932 in Schwäbisch Gmünd geboren und studierte von 1952 bis 1961 an der Universität Münster Chemie, Physik, Kunstgeschichte und Archäologie. Er promovierte mit dem Thema „Die Thermodiffusion und Thermodynamik von Silber-Zink-Legierungen“. Im Anschluss an sein Studium zog es ihn in die USA zu einem Forschungsaufenthalt an der University of California, San Diego. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland übernahm er 1962 das Metall-Labor der Firma W.C. Heraeus in Hanau. Sein Aufgabengebiet umfasste insbesondere die Forschung zur Thermodynamik und Elektrochemie von Edelmetallen und deren Legierungen sowie die Umsetzung der wissenschaftlichen Ergebnisse in die industrielle Praxis.
1970 übernahm Prof. Dr. Christoph J. Raub die Leitung des bis dahin von seinem Vater, Prof. Dr. Ernst Raub, geführten Forschungsinstituts für Edelmetalle und Metallchemie. In den nachfolgenden Jahren entwickelte er die Arbeitsgebiete des Instituts über die traditionellen Schwerpunkte der Metallkunde und Galvanotechnik hinaus in weitere Bereiche der Oberflächentechnik. Neue Gebiete wie die Oberflächenbehandlung von Aluminium, die Materialphysik und physikalische Beschichtungstechnologien wurden etabliert und die Aktivitäten der Analytik in den Bereich der Umweltanalytik ausgeweitet.
Durch seine herausragende, mit zahlreichen nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnete Forschungsarbeit, erwarb sich Raub seinen Ruf als führender Experte auf den Gebieten der Edelmetalle und Galvanotechnik. Er war als Chefredakteur des „Journal of Less Common Metals“ tätig und publizierte als Autor und Koautor mehr als 400 Veröffentlichungen. Ein besonderes Interesse hegte der studierte Archäologe und Kunsthistoriker für die Archäometrie sowie die Konservierung und Restaurierung von Edelmetallobjekten. Nach seinem Eintritt in den Ruhestand im Juni 1995 widmete er sich intensiv seiner Leidenschaft, hielt Vorträge und veröffentlichte Aufsätze zu diesem Thema.
Sein besonderes und bleibendes Verdienst ist die Öffnung des Instituts hin zu einer stärkeren internationalen Zusammenarbeit mit Partnern aus Forschung, Lehre und Industrie. Ihm ist es zu verdanken, das Ende der 1980er Jahre das Europäische Komitee für Oberflächentechnik Schwäbisch Gmünd – die heutige Europäische Akademie für Oberflächentechnik (EAST) – ins Leben gerufen wurde. Die gesamteuropäische Idee hinter dieser Institution lag ihm besonders am Herzen und so zählten von Anfang auch Universitäten und Einrichtungen aus dem damaligen Ostblock zu den Mitgliedern. Für seine fachliche Kompetenz wurde Christoph Raub im In- und Ausland außerordentlich geschätzt, aber es waren auch seine Bescheidenheit und seine freundliche, herzliche Art, die ihn so beliebt machten.

 
17.01.2014

Forschung und Entwicklung im Zukunftsfeld Batterietechnik wird verstärkt

Batterietechnik gehört zweifelsohne zu den großen Zukunftsfeldern. Die Entwicklung etwa der Elektromobilität hängt maßgeblich davon ab, ob es gelingen wird, Akkus mit Leistungen und Kapazitäten zu entwickeln, die eine echte Alternative zu konventionellen, auf fossilen Brennstoffen basierenden Antrieben darstellen. Das fem verstärkt im Frühjahr 2014 seine Forschungs- und Entwicklungsarbeit im Bereich Batterieforschung mit einer vom Land Baden-Württemberg und dem Europäischen Fond für regionale Entwicklung (EFRE) geförderten Geräteinvestition in Höhe von 130.000 Euro sowie mit einem neuen Forschungsprojekt unter der Leitung von Dr. Seniz Sörgel.

Weitere Informationen zu EFRE: 
www.rwb-efre.baden-wuerttemberg.de
www.ec.europa.eu/regional_policy/index_de.cfm

 
18.12.2013

Freitagsseminar: Clevere Oberflächen

Wohin man auch schaut, was immer man berührt: Überall begegnen wir Beschichtungen und Oberflächen. Sie schmeicheln Hand und Auge, sorgen für die richtige Optik und schützen vor Wind, Wetter und anderen Einflüssen. Soweit die klassische Definition. Sogenannte „smart coatings“, intelligente Beschichtungen, gehen weit über diese Eigenschaften hinaus. Sie reagieren auf spezifische Umweltreize mit gezielten Effekten: Sie reinigen die Luft, bekämpfen Krankheitserreger, produzieren Energie oder reparieren sich selbst. Das letzte Freitagsseminar im Jahr 2013 am Forschungsinstitut Edelmetalle + Metallchemie konnte rund vierzig Gäste davon überzeugen, dass intelligente Oberflächen alles andere als oberflächlich sind.

Einen faktenreichen Überblick über die Welt der funktionellen Oberflächen bot Dr. Michael Hilt von der Forschungsgesellschaft Pigmente und Lacke (FPL) in Stuttgart. Wie sich die Wechselwirkungen zwischen Umwelt und Oberflächen gezielt steuern und beeinflussen lassen, demonstrierte der Referent an zahlreichen Beispielen aus Forschung und Industrie. Eine wichtige Inspirationsquelle für die Entwicklung von neuartigen, intelligenten Oberflächen sei die Natur, so Hilt, die es in ihrer mehrere Milliarden Jahre umfassenden Evolution zu einer unübertroffenen Perfektion gebracht habe – dem Wissenschaftler stehe leider nur ein Bruchteil dieser Zeit zur Verfügung, um zu vergleichbaren Ergebnissen zu kommen.

Zwei Forscher aus dem fem vertieften im Anschluss das Thema und stellten dabei das Leichtmetall Titan ins Zentrum ihrer Ausführungen. Stefan Funk präsentierte in seinem Vortrag die photokatalytischen Eigenschaften von Titandioxid. Photokatalyse heißt: Umwandlung von chemischen Substanzen unter Lichteinwirkung. Mit Titandioxid beschichtete Straßenbeläge und Fassaden sind in der Lage, in der Luft befindliche Schadstoffe, z.B. gesundheitsschädliche Stickoxide, und organisches Material wie Algen oder Mikroorganismen abzubauen. Zum Abschluss zeigte Jörg Freudenberger, welche Bedeutung der Werkstoff Titan für medizinische Implantate und Instrumente besitzt. Titan ist sehr fest, gut verträglich und weist durch seine natürliche Oxidschicht – das schon erwähnte Titandioxid – eine hohe chemische Beständigkeit auf. Allesamt Eigenschaften, die aus dem Titan einen idealen, wenn auch nicht perfekten Werkstoff für die Medizintechnik machen. Eine Möglichkeit, Titan zu optimieren, ist das sogenannte Hartanodisieren, durch welches die schützende Oxidschicht vergrößert wird. Bei der Herstellung dieser Schicht tanzen charakteristische Blitzentladungen über die Oberfläche – Freudenberger zeigte faszinierende Filmaufnahmen dieses Vorgangs, die unter den Gästen der Veranstaltung für ein vorweihnachtliches Entzücken sorgten.

Auch im kommenden Jahr bietet das fem wieder vier Freitagsseminare an, die sich gleichermaßen an Experten und die interessierte Öffentlichkeit richten. Den Auftakt macht am 21. März ein weiteres medizintechnisches Thema: Drei hochkarätige Referenten sprechen über „bioresorbierbare metallische Stents“ für die Gefäßmedizin.
 

 
11.07.2013

Zwei Preisträger am fem

Das fem freut sich über zwei neue Preisträger am Institut: Gloria Lanzinger aus der Abteilung Elektrochemie wurde im Rahmen einer Festveranstaltung in Heidenheim mit dem Innovationspreis Ostwürttemberg ausgezeichnet. Sie erhielt den Preis für ihre innovative Arbeit über das Abscheiden von Edelmetall-Kontaktmaterialien aus Raumtemperaturschmelzen, den sogenannten ionischen Flüssigkeiten. Für die Abscheidung von Platinmetallen hat Frau Lanzinger unterschiedliche, auf ionischen Flüssigkeiten basierende Elektrolyte eingesetzt, um entscheidende physikalisch-chemische Parameter wie Löslichkeit, Dichte, Viskosität und Leitfähigkeit zu ermitteln. Mittels Cyclovoltametrie erfolgte dann eine elektrochemische Charakterisierung der Elektrolytsysteme, um geeignete Prozessfenster zu definieren. Für die Herstellung der Überzüge kamen Gleichstrom- und Pulsstromabscheidungen zum Einsatz. Schließlich wurden die Überzüge materialwissenschaftlich charakterisiert: mit Rasterelektronenmikroskopie, Röntgenbeugung, Nanoindentation sowie Verschleißtests.

Martin Kommer erhielt für seine Masterarbeit "Einfluss der Oberflächengüte des Substrats auf Reibungs- und Verschleißverhalten beschichteter Kolbenbolzen" den Südwestmetall-Preis. Mit diesem Preis werden jedes Jahr hervorragende wissenschaftliche Arbeiten prämiert. "Das Werk von Martin Kommer zeichnet sich durch vielfältige Innovationen aus und ist von hohem praktischen Nutzen für die Industrie". Das fem schätzt sich glücklich, dass Herr Kommer seine Arbeit als Doktorand am Forschungsinstitut fortführen wird.

www.talente-und-patente.de
www.suedwestmetall.de

 
10.06.2013

Immer unter Strom: Batterietechnologien der Zukunft

Moderne Batterietechnologie ist aus dem Alltag der meisten Menschen nicht wegzudenken: Ob in Smartphone oder Laptop, Hörgerät oder Herzschrittmacher, Pedelec oder Hybridfahrzeug, Batterien und aufladbare Akkus sind überall dort im Einsatz, wo ein hohes Maß an Unabhängigkeit und Mobilität gefragt ist. „Das ist angewandte Elektrochemie“, bringt Dr. Renate Freudenberger, Abteilungsleiterin am Gmünder Forschungsinstitut fem, das Thema Batterietechnik und Energiespeicherung auf den Punkt. Über fünfzig Interessierte folgten ihrer Einladung ans Institut und informierten sich vergangene Woche im Rahmen eines Freitagsseminars über den Stand der Dinge und zukünftige Entwicklungen.

Dass elektrische Zellen, wie der Experte sie nennt, je nach Einsatzort winzig klein oder groß und schwer ausfallen können, stellten zwei Gastredner aus der Industrie unter Beweis. Bernd Kreidler von der VARTA Microbattery GmbH aus Ellwangen referierte über Zink-Luft-Zellen für moderne Hörgeräte. Die Knopfzellen mit einem Durchmesser von 5,8 bis 11,6 mm lassen sich ohne Quecksilber herstellen und basieren auf einem offenen System, das der Benutzer direkt vor dem Einsatz durch das Entfernen einer Schutzfolie in Gang setzt: Luft strömt in die Batterie ein, der elektrochemische Prozess beginnt, das Zinkpulver oxydiert und die freiwerdende Energie wird abgegeben. Der entscheidende Vorteil dieser Batterien: Eine sehr stabile Spannungslage bis zur vollständigen Entladung, ohne die ein Hörgerät, das im Grunde ein Mikrocomputer ist, nicht funktioniert. Völlig andere Leistungen und Kapazitäten fordert der Einsatz auf der Straße und so präsentierte Markus Meiler von der Deutsche ACCUmotive GmbH in Kirchheim unter Teck zwei Batteriesysteme für Hybrid- und Elektrofahrzeuge, die in Größe und Gewicht ganz andere Dimensionen besitzen: Der Akku für den Elektro-Smart etwa bringt satte 175 Kilo auf die Waage. Meiler konzentrierte sich auf eines der wichtigsten Themen in Sachen Mobilität, die Sicherheit. Ein umfassendes Sicherheitskonzept sei erforderlich, um einen Lithium-Ionen-Akku so zu konstruieren, dass dieser jederzeit vor Fehlgebrauch, Feuer oder mechanischen Einwirkungen geschützt ist. Die entsprechenden Anforderungen der Automobilhersteller seien aus gutem Grund kompromisslos hoch.

Zum Abschluss bot Dr. Seniz Sörgel einen detaillierten Überblick über die wissenschaftlichen Entwicklungen auf dem Gebiet der Batterietechnik. Im Vordergrund stand die noch relative junge Technik der Lithium-Schwefel-Akkumulatoren. Schwefel bietet sich an, da das Material gut verfügbar und vergleichsweise günstig ist sowie eine sehr hohe Energiedichte aufweist. Erste Prototypen wurden bereits erfolgreich getestet, von der Serienfertigung aber ist die Technik noch weit entfernt. Zu gering sei bisher die Ausnutzung des hohen Energiepotentials, zu hoch der Kapazitätsverlust während des Gebrauchs, stellte Sörgel fest. Derzeit verfolge sie verschiedene Lösungsansätze, die ersten Resultate seien sehr vielversprechend. Eine ernsthafte Alternative zu derzeitigen Lithium-Ionen-Akkumulatoren werde das auf Schwefel basierende System wohl aber erst in rund zehn Jahren sein.

 
05.05.2013

Wer schön sein will, muss leiden?

Was im Supermarkt kurz vor der Kasse die Auslagen mit den Kaugummis und Schokoriegeln sind, ist in den Läden der großen Modeketten oft der Schmuck: Ringe, Armketten, Piercings und Ohrstecker in allen erdenklichen Variationen, verlockend glänzend und mitunter kaum teurer als die Süßigkeiten, da greifen vor allem – aber nicht nur – junge Damen gerne zu. Denn, so lässt sie ein großes schwedisches Modeunternehmen wissen, „Accessoires sorgen blitzschnell für einen neuen Look“. Woraus aber die goldenen und silbernen Schmuckstücke hergestellt sind, erfahren die Kundinnen nur selten. Sind diese mit einer Nickelschicht überzogen, die Allergien auslösen kann? Oder enthalten sie womöglich die schädlichen Metalle Cadmium und Blei?

Um das herauszufinden, begab sich die Redakteurin Tanja Hübner für die Sendung „markt“ des WDR auf Shoppingtour durch zahlreiche Mode- und Schmuckläden. Ihren Warenkorb mit gut zwanzig Einzelstücken schickte sie ans Forschungsinstitut fem in Schwäbisch Gmünd, wo diese in der Abteilung Analytik auf ihre Zusammensetzung und die metallischen Inhaltsstoffe hin untersucht wurden. Hintergrund der Recherche ist die im letzten Jahr verschärfte EU-Verordnung namens REACH, in der entsprechende Grenzwerte definiert sind. „Mich interessiert, ob diese Werte bei der Herstellung der Schmuckstücke auch tatsächlich eingehalten werden“, so Hübner. Blei etwa darf den Grenzwert von 0,05 Gewichtsprozent pro Schmuckstück nicht mehr übersteigen, der Grenzwert für Cadmium liegt sogar bei 0,01 %. Begleitet vom Kamerateam des WRD erläuterte Abteilungsleiter Dr. Martin Völker die verschiedenen Prüfmethoden und -kriterien in den Laborräumen des Forschungsinstituts und kommentierte die Ergebnisse. Wer wissen möchte, wie sie ausgefallen sind, sollte am 13. Mai 2013 einschalten: Die Sendung „markt“ wird um 21 Uhr im WDR Fernsehen ausgestrahlt.

Weitere Informationen zur Sendung: www.wdr.de/tv/markt