25.09.2014

Das MFW zu Gast am fem

Nach Schwäbisch Gmünd und auf die Landesgartenschau führte der diesjährige Betriebsausflug des Finanz- und Wirtschaftsministeriums Baden-Württemberg (MFW). Zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nutzten die Gelegenheit, auch dem vom Ministerium geförderten Forschungsinstitut in der Katharinenstraße einen Besuch abzustatten. Dr. Ulrich Klotz, Leiter der Abteilung Metallkunde, und Beate Bäuerle begrüßten die Gäste im Foyer des Instituts, präsentierten ihnen die aktuelle Sonderausstellung und führten sie für knapp zwei Stunden durch die Laboratorien des Hauses. Nach zahlreichen, mitunter komplexen Einführungen in die Geräte und Methoden, Forschungsschwerpunkte und Dienstleistungen des fem, waren die Besucher am Ende erleichtert, als Ulrich Klotz die wichtigste Maschine des Hauses präsentierte: den Kaffeevollautomaten in der Cafeteria. Dass man stolz sein könne, mit dem fem und den anderen Instituten der Innovationsallianz eine ganze Reihe hochmoderner und effizienter Forschungseinrichtungen in Baden-Württemberg zu haben, war der gemeinsame Tenor in den abschließenden Gesprächen mit den Mitarbeitern des Ministeriums. Das fem bedankt sich ganz herzlich für den Besuch!

 
02.09.2014

Selektives Laserschmelzen in der Blackbox

Unter dem Titel "Zwischen Himmel und Erde" zeigen Schmuckschaffende aus Schwäbisch Gmünd vom 2.–28. September ihre fein gearbeiteten Schmuckstücke aus Gold, Silber, Glas und Edelsteinen in einer aufwendig gestalteten Sonderausstellung in der Blackbox im Congresscentrum Stadtgarten. Zudem präsentieren die Goldschmiede und Schmuckgestalter ihr vielfältiges Handwerk an einem großen Werktisch. Auch das fem ist mit einigen Schmuckstücken vertreten, die nach Entwürfen von Klaus Zimmermann, L.C. Köhler und dem Atelier Kinzel & Rall mit der Methode des Selektiven Laserschmelzens am Forschungsinstitut eigens für die Sonderausstellung gefertigt wurden.

Weitere Informationen finden Sie hier: www.schwaebischgmuend.de

 
25.08.2014

Die Keltenfürstin in Schwäbisch Gmünd

Mit dem Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart verbindet das fem eine langjährige Kooperation, deren Höhepunkt neben der Vermessung des Löwenmenschen zweifellos die computertomographische Untersuchung der Funde aus dem frühkeltischen, prunkvoll ausgestatteten Fürstinnengrab von der Heuneburg darstellt. Die im Grab geborgenen einzigartigen Schmuckstücke aus Gold, Bernstein und Gagat werden nun bis zum Ende der Landesgartenschau in einer neu konzipierten und gestalteten Sonderausstellung mit dem Titel "Das Geheimnis der Keltenfürstin" in Schwäbisch Gmünd präsentiert. "Wir sind wirklich stolz", so Dr. Andreas Zielonka, Leiter des Forschungsinstituts Edelmetalle + Metallchemie, "unseren Beitrag zur Erforschung der Keltenfürstin leisten zu dürfen und auch darauf, dass es uns gemeinsam mit dem Landesamt für Denkmalpflege gelungen ist, die Ausstellung nach Schwäbisch Gmünd zu holen". 

Weitere Informationen zur Keltenfürstin unter www.keltenblock.de und www.heuneburg-keltenstadt.de

 
13.08.2014

Beruf und Familie in Einklang bringen

„Es ist mir ein Herzensanliegen, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des fem dabei zu unterstützen, ihr Berufs- und Familienleben bestmöglich in Einklang zu bringen“, betont Dr. Andreas Zielonka, Leiter des Forschungsinstituts Edelmetalle + Metallchemie (fem). „Dass wir in Berlin nun zum zweiten Mal mit dem Zertifikat audit berufundfamilie ausgezeichnet worden sind, zeigt, dass wir auf einem sehr guten Weg sind!“
Die 1998 von der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung gegründete berufundfamilie gGmbH gilt bundesweit als herausragender Kompetenzträger in Fragen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Sie ist der Ideen- und Impulsgeber in diesem Themenfeld und zentraler Akteur bei der Zertifizierung einer familienbewussten Personalpolitik. Das Bundesfamilienministerium fördert das audit berufundfamilie aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds.
Das Forschungsinstitut in Schwäbisch Gmünd ist 2010 erstmals zertifiziert worden und arbeitet seitdem aktiv an der Optimierung seiner familienfreundlichen Personalpolitik, laut Zielonka ein wesentliches Element der „Institutskultur“ am fem. Seine Assistentin und Projektleiterin Beate Bäuerle hat es sich zur Aufgabe gemacht, Angebote und Maßnahmen zu entwickeln und systematisch umzusetzen. „Wir sind besonders stolz auf unsere Vielzahl von maßgeschneiderten Arbeitszeitmodellen, die sich gleichermaßen an den Möglichkeiten und Wünschen unserer Arbeitnehmer und an den Interessen des Instituts orientieren“, freut sich Bäuerle, die neben der flexiblen Gestaltung von Arbeitszeiten die Bedeutung der Gesundheit am Arbeitsplatz betont. Im September veranstaltet das Institut erstmals einen ganztägigen Gesundheitstag, an dem den Mitarbeitern des fem zahlreiche Experten mit Rat und Tat zur Verfügung stehen werden. „Gesundheit ist ein hohes Gut, von dem selbstverständlich auch das Institut profitiert“, stellt Bäuerle mit Blick auf Fehlzeiten und Krankheitsquote fest.
Mit dem neuen Zertifikat sind viele Zielvereinbarungen verknüpft, in denen sich die aktuellen Entwicklungen in den gesellschaftlichen Bereichen Familie, Gesundheit, Pflege und Alter widerspiegeln. „Wir müssen“, so Zielonka und Bäuerle, „frühzeitig strategische Antworten finden, um hier in Schwäbisch Gmünd auch in Zukunft ein attraktiver Partner und Arbeitgeber für Fachkräfte aus Wissenschaft, Technik und Ingenieurwesen zu sein.“

 
27.07.2014

Tag der offenen Tür am fem

Wo man denn diesen 40.000 Jahre alten Löwenmenschen von der Schwäbischen Alb bewundern könne, wollten nicht wenige Besucher wissen, die am Tag der offenen Tür durch die verwinkelten Gänge und zahlreichen Laborräume des Forschungsinstituts Edelmetalle + Metallchemie (fem) flanierten. Sie wurden dieses eine Mal enttäuscht, denn die Skulptur aus Mammutelfenbein, ein atemberaubendes Zeugnis urzeitlichen Kunstschaffens, das eine Woche zuvor im 3D-Röntgen-Computertomographen des fem durchleuchtet worden war, hatte längst wieder ihren Platz im Ulmer Museum eingenommen. „Natürlich wäre der Löwenmensch ein absoluter Höhepunkt am Tag der offenen Tür gewesen“, schmunzelte Institutsleiter Dr. Andreas Zielonka, „aber in Anbetracht seines Versicherungswerts sind wir doch ganz froh, ihn heute nicht im Haus zu haben“. Es blieb glücklicherweise bei diesem einen Wermutstropfen, denn die zahlreichen interessierten Besucher erwartete ein vielfältiges und umfangreiches Programm, das unter dem von der Landesgartenschau inspirierten Motto „Historisch gewachsen, mit Sorgfalt kultiviert“ die Forschungsaktivitäten des fem und seiner fünf Abteilungen präsentierte.

Forschung und Wissenschaft sind ernste Angelegenheiten, aber so ernst auch wieder nicht: Um die Nichtfachfrauen und –männer nicht vor den Kopf zu stoßen, sondern für die Sache des fem zu begeistern, schlug die neue Sonderausstellung im Foyer des Forschungsinstituts einen etwas salopperen, ironischen Ton an, ganz abseits vom üblichen Fachjargon. In einem auf Kunstrasen platzierten, mit frischen Blumen geschmückten Gebilde aus Obstkisten, über dem ein Himmel mit humorvoll formulierten Fragen schwebte – „Metallisches Glas, ist das denn durchsichtig?“ oder „In meinem Smartphone stecken seltene Erden, wer holt die da wieder raus?“ –, präsentierten sich die Abteilungen des fem mit aktuellen Forschungsschwerpunkten und ausgewählten Exponaten. Beispiele aus den Bereichen Energie- und Medizintechnik, Leichtmetall- und Lackforschung sowie Fertigungs- und Recyclingmethoden illustrierten das große Spektrum der Themen, die am fem erforscht und entwickelt werden.  

Auch die jüngeren Gäste wurden direkt angesprochen: Neben einer allgemeinen Einführung in die Welt der Metalle gab es unter dem Titel „Chemie in deiner Hosentasche“ eine kurze Einführung in die Batterieforschung am fem. Patrick Wais, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit am fem, konzipierte die Ausstellung und verfasste deren Texte: „Unser Ziel war, komplizierte Sachverhalte so zu formulieren, dass der unkundige Leser nicht nach dem ersten Satz aussteigt, sondern ein echtes Verständnis für die praktische und wirtschaftliche Bedeutung unserer angewandten Forschung gewinnt“.

Nach diesem „niederschwelligen“ Einstieg in die Welt des fem, in der sich alles um metallische Oberflächen und Werkstoffe dreht, hatten die Besucher Gelegenheit, sich an mehr als zwanzig Stationen ein Bild über die Forschungsaktivitäten und Dienstleistungen des Instituts zu machen. Im Silbersaal zog Dr. Reinhard Böck die staunenden Zuhörer mit seinen Ausführungen zum Material und Werkstoff Gold in seinen Bann, Sabine Klingelstein hingegen gewährte den Besuchern im Untergeschoss des Applikationstechnikums einen Einblick in die Technik der industriellen Computertomographie, die auch bei der Untersuchung des besagten Löwenmenschen zum Einsatz kam. Dr. Seniz Sörgel und Dr. Mila Manolova aus der Abteilung Elektrochemie und Galvanotechnik stellten ihre jüngsten Ergebnisse zur Batterietechnik und Elektrolyse vor und demonstrierten ganz nebenbei, das naturwissenschaftliche Forschung mitnichten eine reine Männerdomäne ist. Besonderen Zuspruch erhielten zwei weitere Stationen, Mikrobiologie und Schmuckprüfung. Hier die Petrischale mit selbst kontaminiertem Nährboden zum Mitnehmen – besonders beim jüngeren Publikum und zum Leidwesen deren Eltern sehr beliebt –, dort die Möglichkeit, den Ehering oder das letzte Geburtstagsgeschenk mittels Röntgenfluoreszenzanalyse binnen weniger Minuten auf seine Zusammensetzung und Echtheit prüfen zu lassen.

Für Begeisterung sorgte auch die Station „Selektives Laserschmelzen“. Dr. Ulrich Klotz, Leiter der Abteilung Metallkunde, erklärte anschaulich, was unter dieser Methode zu verstehen ist und zeigte den Besuchern, welche Möglichkeiten das 3D-Drucken mit metallischen Werkstoffen beispielsweise der Schmuck- und Uhrenindustrie eröffnet. Feinste metallische Pulver werden auf der Basis von dreidimensionalen Computermodellen mit einem Laserstrahl zu sehr komplexen und feingliedrigen Strukturen zusammengeschmolzen. Strukturen und Objekte, die mit anderen Fertigungstechniken nicht oder nur sehr schwer zu realisieren sind.

„Es erstaunt mich immer wieder, dass wir zwar in der Fachwelt weltweit bekannt sind, in der Stadt aber, obwohl schon 1922 gegründet, immer noch eine Art unbekanntes Wesen darstellen“, stellt Dr. Zielonka am Ende des Tages fest. „Auch dafür ist ein Tag der offenen Tür da: Der Bevölkerung in der Stadt und der Region zu zeigen, dass hier Forschungsarbeit geleistet wird, in der es um die großen Herausforderungen unserer Zeit geht. Darum freut es mich besonders, dass wir auch viele junge Gäste heute am fem begrüßen durften.“

 
24.07.2014

Der Löwenmensch – 40.000 Jahre Menschheitskunst für die Ewigkeit

Der Löwenmensch gilt als eine der bedeutendsten Entdeckungen der urgeschichtlichen Archäologie. Die Statuette aus Mammutelfenbein aus dem Lonetal bei Ulm ist die größte Skulptur der Eiszeitkunst und zählt mit einem Alter von fast 40.000 Jahren zu den frühesten figürlichen Darstellungen der Menschheit. Bei neuen Forschungen des Landesamts für Denkmalpflege in der Stadel-Höhle gelang es überraschend, die Fundstelle der bereits 1939 entdeckten Statuette wieder zu lokalisieren und zahlreiche weitere Fragmente zu bergen. Damit wurde der Weg geebnet für eine erneute Restaurierung der Figur. Mehrere hundert Fragmente konnten zusammen mit bislang nicht anpassbaren Bruchstücken aus dem Museumsbestand in einem aufwendigen Restaurierungsprojekt in den Werkstätten des Landesamts in monatelanger mühevoller Kleinarbeit an die Figur an- und eingesetzt werden. Die bruchstückhaft erhaltene Statuette konnte so weiter vervollständigt werden. Sie ist nun über 30 cm groß und offenbart eine wesentlich differenziertere Gestalt als bisher bekannt.

Mit Abschluss dieses Projekts und dem Ende einer viel beachteten Sonderausstellung zur "Rückkehr des Löwenmenschen" im Ulmer Museum steht die Statuette ein weiteres Mal im Fokus wissenschaftlich-technologischer Untersuchungen. Am fem, dem Forschungsinstitut Edelmetalle + Metallchemie in Schwäbisch Gmünd, wurde die Skulptur im Röntgen-Computertomographen Mikrometer für Mikrometer zerstörungsfrei durchstrahlt. Aus den dadurch gewonnenen Daten wurde im Anschluss ein hochauflösendes 3D-Modell erstellt, von dem sich die Wissenschaftler nicht nur nähere Aufschlüsse über die innere Struktur des Mammutstoßzahnes, das Vorgehen bei der Herstellung der Skulptur und die Zerfallsprozesse im Höhlensediment erhoffen. Darüberhinaus sind diese Arbeiten Voraussetzung zur Anfertigung hochwertiger Repliken, die anstelle des äußerst fragilen Originals weltweit in Sonderausstellungen und Dauerpräsentationen bedeutender Museen zur Eiszeit-Archäologie und Evolution des Menschen faszinierendes Zeugnis von der spirituellen Welt der Eiszeitjäger geben.

Mehr über die Geschichte und die Bedeutung des Löwenmenschen finden Sie in unserem Magazin legato

(Bild: fem, Patrick Wais)

 
16.07.2014

Tag der offenen Tür am fem

 

Sie wollten immer schon einmal wissen, woran die Wissenschaftlerinnen, Ingenieure und Laboranten am fem, dem Forschungsinstitut Edelmetalle + Metallchemie in Schwäbisch Gmünd jeden Tag forschen und arbeiten?

Am Samstag, den 26. Juli 2014 haben Sie von 10 bis 15 Uhr Gelegenheit dazu: Werfen Sie einen Blick in die Laboratorien, lernen Sie aktuelle Projekte und Forschungsschwerpunkte rund um den Werkstoff Metall kennen, lassen Sie sich von der Ausstattung auf dem neuesten Stand der Technik begeistern und diskutieren Sie Ihre Fragen im persönlichen Gespräch mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Instituts. Besuchen Sie auch unsere neue, von der aktuellen Landesgartenschau inspirierte Sonderausstellung, die unter dem Motto »Historisch gewachsen. Mit Sorgfalt kultiviert« ausgewählte Themen und Exponate für Groß und Klein präsentiert.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

 
25.04.2014

Virtuelle Archäologie auf Arabisch

SciTech – Our World Tomorrow heißt die Sendung für Wissenschaft und Technik, die im Auftrag des Auswärtigen Amtes im Rahmen der interkulturellen Kooperation seit 2011 für ein junges Publikum in Ägypten und im Oman produziert wird. In der aktuellen Folge ist SciTech zu Gast am Forschungsinstitut Edelmetalle + Metallchemie und berichtet über die faszinierenden Möglichkeiten der Virtuellen Archäologie. Im Mittelpunkt steht die zerstörungsfreie Analyse von archäologischen Funden, die im 3D-Röntgen-Computertomographen des Forschungsinstituts durchleuchtet werden. Nicole Ebinger-Rist vom Landesamt für Denkmalpflege, Institutsleiter Dr. Andreas Zielonka und Sabine Klingelstein erläutern die Zusammenarbeit zwischen Landesamt und fem und informieren über die Technik der Computertomographie. 

Die Sendung ist auf youtube abrufbar, mehr über SciTech finden Sie hier.

 
05.04.2014

Von der politischen Vision zur technischen Wirklichkeit

Landtagsabgeordnete Andrea Lindlohr und Petra Häffner zu Gast am fem

Schwäbisch Gmünd. Man gewöhne sich daran, als Experte für die unscheinbaren Details immer ein wenig im Hintergrund zu stehen, versicherte Institutsleiter Dr. Andreas Zielonka augenzwinkernd seinen beiden Gästen am fem, den Landtagsabgeordneten Andrea Lindlohr und Petra Häffner von Bündnis 90/Die Grünen. Man stelle eben selbst keine Lifestyle-Produkte her, sondern arbeite hinter den glitzernden Kulissen der großen Marken an Materialien, Oberflächen und Verfahren, ohne die ein technisches Produkt nicht funktioniere. „Um ein Beispiel zu wählen, das auch der grünen Politik am Herzen liegt: Das eine ist die Vision, bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf die Straße zu setzen, das andere sind ganz handfeste technische Herausforderungen, in diesem Fall vor allem die bislang unzureichende Leistung und Kapazität von Batteriesystemen. Und daran arbeiten auch wir hier am Forschungsinstitut in Schwäbisch Gmünd.“ Für Andrea Lindlohr, stellvertretende Vorsitzende und wirtschaftspolitische Sprecherin der grünen Landtagsfraktion, war in diesem Zusammenhang das Stichwort Technologietransfer entscheidend. Zielonka konnte dies nur unterstreichen, denn das fem verstehe sich seit seiner Gründung 1922 als Bindeglied zwischen Forschung und Wirtschaft, insbesondere als Forschungs- und Dienstleistungspartner für klein- und mittelständische Unternehmen. Man betreibe zwar auch Grundlagenforschung, aber nicht als Selbstzweck, sondern weil man ohne Kenntnisse der physikalischen und chemischen Grundlagen heute nicht mehr in der Lage sei, echte Innovationen für die industrielle Praxis zu schaffen.

„Und selbstverständlich sehen wir uns auch als wichtigen Gesprächspartner der Politik, denn wir alle wissen, dass sich etwa die energie- und klimapolitischen Ziele nur gemeinsam, in Zusammenarbeit mit Politik, Wirtschaft und anderen Forschungsinstituten erreichen lassen“, ergänzte Zielonka. Von entscheidender Bedeutung sei die „interdisziplinäre und inspirierende“ Kooperation mit Hochschulen und außeruniversitären Forschungsinstituten. Das fem ist seit einigen Jahren Teil der Innovationsallianz Baden-Württemberg (innBW), einem Zusammenschluss von zwölf unabhängigen Forschungsinstituten, die der Minister für Finanzen und Wirtschaft Dr. Nils Schmid unlängst als „herausragende und unverzichtbare Säule in der Innovationslandschaft Baden-Württembergs“ bezeichnet hat. Damit die Institute der innBW auch in Zukunft für entscheidende Impulse sorgen können, wurde im vergangenen Jahr die institutionelle Förderung des Landes von einer sogenannten Fehlbedarfs- auf eine Festbetragsfinanzierung umgestellt. Zielonka und Lindlohr stellten einhellig fest, dass dieser Systemwechsel für eine erhöhte Stabilität und Planungssicherheit sorge und den Instituten mehr Spielräume für strategische Entscheidungen eröffne. 

Bei der Führung durch das Institut fielen Petra Häffner, die seit März 2011 als Landtagsabgeordnete der Grünen den Wahlkreis Schorndorf vertritt, die zahlreichen Mitarbeiterinnen am fem auf. „Wir müssen uns heutzutage schon etwas einfallen lassen, um die besten Absolventen und Doktoranden ins Haus zu holen, ganz gleich ob Mann oder Frau“, bemerkte Zielonka. „Aber es stimmt schon, tatsächlich arbeiten mehr Frauen als Männer am Institut, da sehen wir uns durchaus als Vorreiter, denn mit knapp 25% sind Frauen unter den Absolventen der Ingenieurwissenschaften nach wir vor deutlich in der Minderheit“. Es sei ihm ein persönliches Anliegen, auch Frauen und Müttern eine wissenschaftliche Karriere zu eröffnen. Auf die Vereinbarkeit von beruflicher Laufbahn und Familienplanung, für die das Institut seit 2011 mit dem Zertifikat „audit berufundfamilie“ ausgezeichnet ist, lege er darum besonderen Wert. Die Vereinbarkeit sei ein elementarer Baustein der Unternehmenskultur und trage wesentlich zum Arbeitsklima am Forschungsinstitut bei.

 
27.03.2014

Lebensretter „Stent“ – ein Thema zwischen Materialwissenschaft und Medizin

Bis vor einigen Jahren war die Gefäßstütze namens Stent nur Experten geläufig, heute sind die röhrchenförmigen Strukturen fast jedem ein Begriff, denn jedes Jahr werden in Deutschland in Folge von Herzinfarkten und Arteriosklerose fast 300.000 Stents eingesetzt, Tendenz steigend. Die Zahl der Eingriffe hat sich seit den 1980er Jahren enorm gesteigert, berichtete Prof. Dr. Christoph Hehrlein vom Universitätsklinikum Freiburg im Rahmen des ersten Freitagsseminars 2014 am Forschungsinstitut Edelmetalle + Metallchemie.

Nach einem faktenreichen Überblick über die Geschichte des Stents konzentrierte sich der Herzspezialist in seinem Vortrag auf die Erforschung und technische Überwindung der beiden größten medizinischen Nachteile von Gefäßstützen, die Verursachung von Thrombosen und Restenosen. Der Stent ist zweifelsohne ein Lebensretter, so Hehrlein, aber er ist und bleibt ein Fremdkörper, der durch eine chronische Reizung Entzündungen verursachen und die Blutgerinnung anregen (Thrombose) oder zu einem erneuten Verschluss des Blutgefäßes (Restenose) führen kann. Ein verbessertes Design der Röhrchen mit dünneren Streben und die Weiterentwicklung der begleitenden Therapie mit blutverdünnenden Medikamenten reduzieren dieses Risiko, das erklärte Ziel aber sind Stents, die selbst Medikamente freisetzen (drug eluting stents) und sich nach einer gewissen Zeit durch Korrosion im Blut auflösen. Bei der Erforschung der sogenannten bioresorbierbaren Stents dreht sich alles um den richtigen Werkstoff, der möglichst rückstandsfrei, aber weder zu schnell, noch zu langsam abgebaut werden darf. Auch das fem forscht auf diesem Gebiet und untersucht aktuell die Entwicklung zink-basierter Legierungen für Stents und Implantate.

Das Thema der Polymerschichten beleuchtete im Anschluss Prof. Dr. Rumen Krastev vom Naturwissenschaftlichen und Medizinischen Institut (NMI) an der Universität Tübingen aus einer biologischen und materialwissenschaftlichen Perspektive. Das Problem der Verträglichkeit, so Krastev, sei das Resultat des Aufeinandertreffens zweier grundverschiedener Oberflächen: hier das biologische Gewebe, dort die zumeist metallische Gefäßstütze. Um die Bioverträglichkeit zu verbessern, würden die Oberflächen von Stents modifiziert, entweder durch eine mechanische, physikalische und chemische Behandlung oder durch eine Beschichtung. So habe eine elektropolierte, d.h. weniger raue Oberfläche ebenso wie eine wirkstofffreisetzende Polymerbeschichtung eine drastische Senkung des Risikos einer Restenose zur Folge. Die Arbeitsgruppe Biomaterialien am NMI arbeite derzeit an neuartigen, intelligenten Beschichtungssystemen, die eine feine Dosierung der Wirkstofffreisetzung ermöglicht. Der ideale Stent, das wurde in der Diskussion der beiden Referenten mit den gut 40 Gästen am fem deutlich, kombiniert die Freisetzung von Medikamenten mit der Auflösung des Stentmaterials während der Heilung des Gefäßes. Ob das in naher Zukunft gelingt, ist in Anbetracht der steigenden Zahl von Eingriffen sicherlich eine Frage, die weit über Forschung und Wissenschaft hinaus auf Interesse stößt.

(Bild: NMI)